In vielen Ländern sind Tiere in sozialen, pädagogischen und therapeutischen Einrichtungen bereits seit vielen Jahren gängige Praxis. Es steht fest, dass Tiere einen großen Einfluss auf das Wohlergehen und die Entwicklung des Menschen haben. Die Kitas Zehlendorfer Teddys  und ab Herbst 2019 auch die Kita Charlottenburger Teddys, Akazienallee 36, werden den Umgang mit Tieren ermöglichen und machen die – Tiergestützte Pädagogik – zu ihrem Schwerpunkt.

Warum Tiere in der Kita?

Tiere sprechen das Kind ganzheitlich und mit allen Sinnen an. Sie haben einen großen Einfluss auf viele Bereiche des kindlichen Lernens:

Emotionale Intelligenz

Im Umgang mit dem Tier lernt das Kind seine Gefühle kennen und diese entsprechend zu regulieren. Das Tier reagiert sofort auf das Kind und spiegelt somit sein Verhalten. Will das Kind weiterhin Kontakt mit dem Tier, muss es sein Verhalten entsprechend ändern.

Es lernt die Gefühle des Gegenübers zu lesen und sich der Situation entsprechend zu verhalten. Ein Tier kann Seelentröster, Zuhörer oder Mutmacher sein. Es ermöglicht Körperkontakt, Zärtlichkeit und Sorge für ein anderes Lebewesen. Tiere in unmittelbarer Nähe wirken beruhigend auf den Menschen.

Sprachliche Intelligenz

Das Kind wird durch den Umgang mit dem Tier zum Sprechen animiert und in seiner Sprechfreude motiviert. Erlebnisse mit dem Tier regen zum Erzählen an. Nonverbale Kommunikation mit dem Tier wird erlernt und angewandt.

 

Motorische Intelligenz

Im Umgang mit einem Tier kann das Kind motorische Abläufe trainieren. Es kann seine motorischen Fähigkeiten kennenlernen und weiterentwickeln. Es lernt seine Kräfte einzuschätzen und zu regulieren.

Kognitive Intelligenz, Ausdauer, Konzentration

Das Kind erfährt durch den Umgang mit dem Tier vieles über seine Eigenarten und Lebensgewohnheiten. Um es gut versorgen zu können muss das Kind wissen, was das Tier zum Leben braucht. Allein die Anwesenheit eines Tieres wirkt sich positiv auf die kognitiven Fähigkeiten des Kindes aus. Es kann sich besser konzentrieren und arbeitet ausdauernder.

Soziale Intelligenz

Tiere sind soziale Wesen. Um in Kontakt mit ihnen treten zu können, müssen soziale Regeln eingehalten werden. Das Kind lernt in der Interaktion mit dem Tier Rücksichtnahme genauso wie Selbstbehauptung.

Es lernt sich zurückzunehmen und seine Bedürfnisse zu äußern. Das Kind lernt die Folgen seines Handelns besser einzuschätzen und die Verantwortung seines Handelns gegenüber einem anderen Lebewesen zu übernehmen. Das gemeinsame Erleben fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl.

Wahrnehmung

Der Umgang mit einem Tier ist ein sinnliches Erlebnis für das Kind. Es kann das Tier fühlen, hören, spüren, sehen, riechen. Dadurch wird seine Wahrnehmungsfähigkeit verbessert. Um auf das Tier eingehen zu können muss das Kind sein Gegenüber sehr genau beobachten, um entsprechend reagieren zu können.

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Gesundheitliche Aspekte

Das Zusammensein mit Tieren von klein auf reduziert nachweislich die Gefahr Allergien zu bekommen. Alleine die Anwesenheit eines Tieres bewirkt eine Beruhigung des Menschen.

Der Pulsschlag wird langsamer, die Herzfrequenz nimmt ab. Tiere haben eine blutdruck-senkende und kreislaufstabilisierende Wirkung auf ihr Gegenüber. Es kommt zu einer Stressreduktion, weil im Körper weniger Adrenalin ausgeschüttet wird.

All diese Vorteile des Zusammenlebens mit Tieren motivieren uns, Tiere in unsere tägliche pädagogische Arbeit einzubeziehen. Uns ist es hierbei wichtig, die Rechtsgrundlagen (zum Beispiel Infektionsschutzgesetz) und Hygienemaßnahmen einzuhalten.

Ebenso sind seitens des Personals für die Tierhaltung geschulte Personen verantwortlich und zuständig, mit welchen die Eltern bezüglich des Umgangs ihrer Kinder mit Tieren Rücksprache halten können.

Aktivitäten mit unseren Tieren

Sprachbildung mit Tieren

Die Sprachbildung der Kinder ist neben der tiergestützten Pädagogik ebenso in unserer Konzeption verankert und hat einen zentralen Platz im Kita-Alltag. Kinder möchten von Erlebnissen erzählen, die sie faszinieren und begeistern, und genau hier ergänzen sich die tiergestützte Pädagogik und die Sprachbildung sehr gut.

Das Kind hat die Möglichkeit, mit dem Tier und auch über das Tier mit der/m ErzieherIn ins Gespräch zu kommen. Beziehungsvolle Dialoge sind die Basis der Sprachentwicklung. Das Tier ermöglicht hier eine Dreiecksbeziehung und lässt genau solche Situationen entstehen.

Forschendes Lernen draußen

 Auf unserem naturnahen Außengelände und dem nahen Park  entdecken die Kinder täglich Tiere, z.B. Raupen, Würmer, Käfer, Spinnen, und sie können die großen Waldameisen beobachten. Die Neugier auf die Tiere lässt Projekte entstehen: Wo kommt das Tier her? Wie sieht sein Lebensraum aus? Was brauchen sie zum Leben?

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Projektarbeit

Beim Erkunden des Außengeländes der Kita finden die Kinder oft Schnecken und fragen dann „Wo lebt die Schnecke? Was frisst sie? Gibt es verschiedene Arten? Wie sieht ihr Lebensraum aus? Was brauchen sie zum Leben?

Das sind alles situative Ansätze für Projekte. Schnecken sind ideal für Projektarbeit. Sie gewöhnen sich sehr schnell an „Hände“ und so haben die Kinder die Möglichkeit, dem Weichtier ganz nah zu sein, es zu spüren, genau zu betrachten und mit ihm und über es zu kommunizieren.

 Nutztiere in der Nachbarschaft

In der Nähe der Kita weiden die Schafe einer Senioren WG. Hier ergeben sich viele Kooperationsmöglichkeiten.

Tiere ohne Fell

Auch Tiere ohne Fell wie Vögel oder Schildkröten können – wie bei den Schnecken beschrieben – psychosoziale Effekte auf Kinder haben und wirken positiv auf ihre Gesamtentwicklung. Wellensittiche in einer großen Voliere im Eingangsbereich können den Alltag mit gestalten. Die Vögel werden morgens von Eltern und Kindern begrüßt und gehören oft, z.B. in „Ablösesituationen“ zum morgendlichen Ritual und können Kinder in der Übergangssituation von zu Hause in die Kita unterstützen.

Hunde in der Kita

Bei der Arbeit mit den Hunden in der Kita sind uns folgende Aspekte wichtig: Die Hunde werden alltagsintegriert eingesetzt! Sie begleiten die Erzieher/-in in ausgewählten Situationen wie z.B. Morgenkreis, Leserunde, Ankommen- oder Abholsituationen oder in den einzelnen Bereichen wie Werkraum, Bauraum, Außengelände etc. Ausgenommen sind Essbereich, Schlafräume, Küche und Wäscheraum.

Auch in Projekten und gezielten Aktivitäten mit Kleingruppen werden die Hunde mit einbezogen. Sie sind dabei immer im unmittelbaren Einwirkungsbereich der Erzieherin.

Jedes Kind kann selber entscheiden

jedes Kind entscheidet selbst, ob es Kontakt zum Hund haben möchte oder nicht. Grenzen, Ängste und Interessenslage des Kindes werden akzeptiert. Jedes Kind kann sein individuelles Tempo bei der Interaktion beibehalten.

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Die Hunde sind, wie auch die anderen Tiere, in der Kita-Konzeption verankert. Auf Ängste und Bedenken der Eltern und Kolleginnen wird von Anfang an eingegangen, und Probleme mit Allergien werden besprochen. Auch hier ist es uns wichtig, dass neue Eltern, Kinder und KollegInnen in ihrem individuellen Tempo zum Hund hingeführt werden.

Wir achten sehr darauf, dass es allen Beteiligten – Kindern und Hund sowie auch ErzieherInnen und Eltern in der Situation gut geht. Wichtig ist uns das genaue Beobachten aller Beteiligten, damit Stresssignale erkannt werden und die Situation entsprechend geändert werden kann. Macht einer der Beteiligten den Wunsch nach Rückzug deutlich, ist es für die begleitende Erzieherin selbstverständlich, dass die Situation aufgelöst wird.

Folgende Projekte und Module mit den Kita-Begleithunden sind vorstellbar:

  • Leserunden, bei denen der Hund anwesend ist und gestreichelt werden kann.
  • Gerätearbeit, bei der ein Parcours aus leichten Geräten im Bewegungsraum aufgebaut wird, über die der Hund gehen kann (Brücken, Bänke, Reifen, Sprünge, Tunnel etc.)
  • Führ-Übungen, bei denen die Kinder den Hund um Hindernisse oder über Geräte an der Leine führen können.
  • Suchspiele bei denen die Kinder Spielzeug oder Futter verstecken und der Hund dies frei im Raum sucht.
  • Trainingsspiele, bei denen die Kinder Tricks abrufen können, die der Hund kann.
  • Interaktives Lernspiel zur Bissprävention in Zusammenarbeit mit der Deutschen veterinärmedizinischen Gesellschaft (www.dvg.net).
Alltag mit Tieren in der Kita

Mit den Tieren im Alltag zu leben bedeutet, die Tiere zu pflegen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehören z.B. frisches Futter organisieren, füttern, das Wasser wechseln, Voliere säubern, staubsaugen, besprühen der Schnecken und auch die Gestaltung des Terrariums. Beides tun die Kinder erfahrungsgemäß sehr gern und zeigen dabei großes Interesse und Engagement.

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Wichtig ist uns bei der tiergestützten Pädagogik, dass alle mitgenommen werden – Kinder, Eltern und KollegInnen. Denn die pädagogische Arbeit mit Tieren im Kitaalltag ist interdisziplinär. Die Aufgabe unserer Kita-Leitung ist es zu begleiten, zu moderieren, zu koordinieren und Räume zu öffnen, in denen Team und Leitung gemeinsam Konzepte entwickeln, umsetzen und sich auch selbst verwirklichen können.